Dienstag, 15. März 2011

Puno

Auch das ist Peru, auch das ist Puno. Fuhr heute morgen mit dem Taxi in die Stadtmitte / Ortsmitte (Puno hat 250 000  Einw.), Taxis sind das einzig uebliche Verkehrsmittel abgesehen von den Minibussen. Fahrt kostet fuer ca. 5 km S/. 7 (= 7 Soles), das sind 1,80 Euro - kostet also wenig. Zur Plaza de Armas (so heissen in allen von mir besuchten Laendern Suedamerikas die zentralen Plaetze) in der Altstadt mit engen Gassen fuehrt sogar eine Fussgaengerstrasse, die Av. Lima. Dort ist richtiger Trubel, allerdings ist derzeit touristisch noch nicht Hochsaison, erst Mitte der Trockenzeit Juli / August. An der Plaza war ein grosser militaerischer Aufmarsch, alles in Ausgehuniform, die verschiedensten Gattungen der Streitkraefte und der National-Polizei, dazu vor der Kathedrale eine grosse ueberdachte Tribuene aufgabeaut, Militaerkapelle, alles da. Nun, dachte ich, das Spektakel schaust du dir mal an.


Es war zwar einerseits alles voll von Offiziellen, Militaer, Polizei, Eskorten usw., aber man konnte dennoch ueberall rumlaufen, fotografieren, filmen, was immer. Ich wurde also immer mutiger und habe mir das Schauspiel mit Fahnehissen, Nationalhymne schmettern,  alle moeglichen Rapports empfangen, aus naechster Naehe angeschaut und gefilmt. Es hatte etwas typisch Suedamerikanisches an sich, dies Spektakel, denn das war es: Der Innenminister von Peru persoenlich war aus Lima zur Vereidigung des neuen Praesidenten der Region Puno erschienen (unglaublich, was ich mittlerweile alles in Spanisch verstehe...) - wow, gaaanz grosser Bahnhof mit Flitterkram, Konfetti-Kanonen, den Honoratioren mit Damen auf der Tribuene - eine gratis Vorfuehrung.


Das "Volk" schaute interessiert zu, es wurde Backwerk verkauft, Kinder tollten herum, also grande fiesta. Alles ging natuerlich schoen langsam und wuerdevoll von statten, auch wenn sich einige der Nationalgardisten waehrend des langen Herumstehens langweilten und zwischendurch die Schue putzen liessen von einem der allzeit gegenwaertigen Schuhputzer.


Ueberhaupt hatte es bei aller Parade zugleich irgend etwas Lockeres, nicht ganz Ernstes an sich, oder mir schien das so.  Denn was sich da so abspielte (eine gute Stunde habe ich zugeguckt, aber es ging noch lange, lange weiter), war irgendwie typisch fuer die hiesige Lebensart: Viele Schaulustige standen herum, Indiofrauen verkauften ihren gebackenen Mais, andere hetzten nur geschaeftig vorbei, und die ganze Zeremonie war hoch offiziell, sehr nationalheilig, vor allem die Vereidigung auf Bibel, Kreuz und alle Heiligen (!), wahrscheinlich auch auf Patchamama, die Kapelle schmetterte, ein Oberst schmetterte seine Befehle - ganz grosses Theater. Wirklich, hatte was...


Ging dann durchgefroren in ein kleines Cafe, um einen Capuccino zu trinken (5 Soles = 1,25 EUR) und machte mich dann Richtung Hafen auf. Hatte mir ueberlegt, mal wieder mittags einfach zu speisen, sprich mir beim Baecker ein paar Teilchen zu besorgen. Eine Nussschnecke und ein kleines Kaesebaguette zusammen fuer 1 Sol = 0,25 EUR. Dann truebte es doch sehr ein und es kamen Regenwolken auf, so dass ich doch lieber wieder ins Hotel fahren wollte, hatte keine Regenjacke dabei, grosser Fehler. Suchte das naechst beste Taxi, fragte nach dem Preis fuer die Strecke zum Hotel, diesmal waren es nur 5 Soles, also 1,25 EUR. Nun rueste ich mich nach der Backwerk-Staerkung fuer die Ruinen von Sillustani. Das reicht dann auch. So einen Tag vor dem Abflug ist dann doch die Luft raus aus der ungestuemen Unternehmungslust!

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